Freitag, 28. Dezember 2007

The Coral: Who's Gonna Find Me

Ende 2007 und Zeit zur Rückschau. Die Alben des Jahres werden von vielen Musikzeitungen gekürt. Ich habe nicht annähernd so viele Scheiben hören können wie die Redaktionen von Musik Express, Q, Melody Maker, Rolling Stone etc. Aber doch...

Eins der besten Alben des Jahres kommt von The Coral aus England "Root & Echoes" heisst das Werk und daraus hier der Ohrwurm "Who's Gonna Find Me".

Samstag, 1. September 2007

Der Boss im Globen

Exakt 62 Minuten dauerte es, bis die knapp 14.000 Karten für den Stockholmer Globen am 10. Dezember ausverkauft waren. Bruce Springsteen kommt zu Besuch nach Schweden, nach längerer Zeit mal wieder mit seiner E-Street-Band und wie immer brach der Server des offiziellen Ticketvermittlers ticnet.se mehr oder weniger zusammen und bescherte den Kunden lange Wartezeiten und in vielen Fällen nur grosse Enttäuschung.

Ganz auf Nummer sicher gingen dagegen ein paar Dutzend Fans, die bereits seit Dienstag im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte vor der Vorverkaufsstelle am Globen aufgeschlagen hatten und denen vier Nächte warten auf den dann 58-Jährigen Rockstar schon zur Gewohnheit geworden sind.

Im Oktober kommt das neue Album "Magic" auf den Markt. Die erste Single "Radio Nowhere" ist bald käuflich zu erhalten, seit vorgestern und bis Mittwoch aber gratis bei ITunes in den USA und Grossbritannien zu haben.

Anhören kann man sich das Stück beim Klick auf den Link weiter unten...

Donnerstag, 16. August 2007

Tilly And The Wall: Rainbows In The Dark

Aus Omaha stammt die amerikanische Indie-Popband "Tilly And The Wall", die ich dank last.fm entdeckte, wo ich mir kürzlich Musik von "ähnlichen Künstlern wie Rilo Kiley" anhörte. Rilo Kiley sind hier schon präsentiert worden und heute ist das Quintett, bestehend aus Kianna Alarid, Neely Jenkins, Derek und Jamie Pressnall sowie Nick White an der Reihe.

Erfrischende Musik, die in Europa noch zu entdecken ist. Das letzte Album hiess "Bottom And Barrels" (2006). Hier das Video zu "Rainbows In The Dark".

Samstag, 11. August 2007

Und noch zweimal Musik

Im November kommen Arcade Fire zu einem Konzert nach Stockholm, ihrem zweiten dieses Jahr. Tickets sind noch erhältlich. (Globens Annex)

Am 02. Dezember dann spielt The National und am 03. Dezember Gogol Bordello.

Manchmal passiert gar nichts und manchmal geht es eben Schlag auf Schlag.

The National wurden hier noch nicht vorgestellt. Sie stammen aus New York mit Verbindungen nach Cincinnatti und ihre Musik ist irgendwo zwischen Tom Waits und U2 anzusiedeln. Sie gehören noch der Indie-Szene an und haben dieses Jahr (im Mai) ihr neues Album "The Boxer" veröffentlicht.

Hier kann man "Mistaken For Strangers" sehen und hören, die erste Single des neuen Albums.

Donnerstag, 2. August 2007

Ted Leo And The Pharmacists: Me And Mia

Aus Washington/D.C. stammt die Rockband "Ted Leo And The Pharmacists". Die Besetzung hat sich seit Gründung 1999 mehrfach geändert, aber Sänger und Songwriter Ted Leo ist immer noch dabei.

Letzte Veröffentlichung von Ted Leo war im März 2007 das Album "Living With The Living".

Vorgestellt wird die Band hier mit dem Stück "Me And Mia" von ihrem Album "Shake The Sheets".

Donnerstag, 26. Juli 2007

Tegan & Sara: My Number

David Letterman oder die Produzenten seiner Show haben einen hervorragenden Musikgeschmack. In der Show treten immer wieder tolle Acts auf und oft werden sie auch dank der Show einem breiteren Publikum bekannt.

Tegan & Sara sind eineiige Zwillinge aus Kanada und gehören in die oft strapatzierte Schublade "Singer/Songwriter". Sie sind 26 Jahre alt und waren schon im Vorprogramm so illustrer Namen wie Neil Young, Rufus Wainwright, Gogol Bordello, Bryan Adams, Weezer und Ryan Adams auf Tour.

Sie machen CDs auf dem Label Vapor Records, das Neil Young gehört.

Vorgestern erschien in den USA ihre fünfte CD "The Con". Der Titel "My Number", den ihr hier sehen und hören könnt, ist schon etwas älter.

Dienstag, 17. Juli 2007

Rilo Kiley: Portions For Foxes

Im Fernsehen läuft das schwedischste aller Fernsehprogramme, "Allsång på Skansen", das mittlerweile zu einem Kult wird, der ungefähr so viel Bedeutung für die aktuelle Gegenwartskultur hat wie die "ZDF-Hitparade", der "Musikantenstadl" und der "Blaue Bock" zusammen für Deutschland - also unermessliche.

Auf meinem Walkman höre ich derzeit vieles, aber sehr gerne die aus Los Angeles stammende Indie-Popband Rilo Kiley. Die wunderbare Leadsängerin heisst Jenny Lewis und schreibt alle Songs der Band zusammen mit dem Gitarristen Blake Sennett. Das Stück "Portions For Foxes", das hier zu sehen/hören ist, stammt vom dritten Album der Band "Adventurous". Rilo Kiley ist inzwischen so etwas wie Kult in der Indie-Szene (s.o.) und ihre neue Scheibe "Under The Blacklight" wird am 22.08. in Schweden erscheinen. Der Name der Band bedeutet angeblich gar nichts. Kann ja auch mal vorkommen.


Samstag, 14. Juli 2007

Gogol Bordello: Gypsy Part Of Town

Zigeuner-Punk aus der Lower East Side in New York? Was ist das? Es ist "geile Mucke", wie man früher sagte und dieses Stück geht voll ab, auch wenn man im Video leider nicht die Band sieht. Und ich weiss, dass das Wort Zigeuner eigentlich politisch unkorrekt ist, aber was tun, wenn sie sich selber "gipsies" nennen...

Gogol Bordello waren diesen Sommer schon beim berühmten Glastonbury Festival in England zu sehen und bei Rock am Ring. Wer noch Gelegenheit hat, sollte unbedingt hin...

Die beiden Frontfiguren heissen Eugene Hütz (eigentlich Evgen Nikolajev, geb. in Kiew) und Jurij Lemeshev (geb. in Russland). Also sogar russisch-ukrainischer Zigeunerpunk aus New York, ungemein tanzbar.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Pop/Rock aus Schweden 7: Oh Laura

Am 24. April erschien die letzte Folge von Pop/Rock aus Schweden in diesem Blog. Die lange Pause liegt zum einen daran, dass einfach nichts Weltbewegendes hier erschienen ist und zum anderen, dass ich selber vorwiegend anderes gehört habe, was hier auch teils zu sehen und hören ist.

Und Per Gessle gebührt zwar Respekt für seine Leistungen für Roxette, aber seine neue CD "En händig man" ist so weit von meinem Geschmack entfernt wie Karesuando von Malmö.

Jetzt habe dann doch was gefunden. Im Mai erschien das Debütalbum "A Song Inside My Head, A Demon In My Bed" der Gruppe Oh Laura.

Oh Laura kommen aus Stockholm, die Leadsängerin heisst Frida Öhrns. Der Song "Release Me" ist langsam getragener sympathischer Pop mit einer ungewöhnlichen Stimme.

Montag, 9. Juli 2007

Interpol: The Heinrich Maneuver

Heute erscheint in Grossbritannien das lang erwartete und mit guten Kritiken versehene neue Album der New Yorker Band Interpol. Die schwedischen und deutschen Fans müssen bis Mittwoch warten, dann können Sie "Our Love To Admire" erwerben.

Die erste Single ist schon etwas länger draussen und hier ist das Video dazu: The Heinrich Maneuver.

Dienstag, 3. Juli 2007

Annuals: Brother

Aus Amerika kommt diese Band, die mit dem Album "Be He Me" jetzt debütiert hat. Ungewöhnliche Popklänge einer Formation, die gekommen ist, um zu bleiben...

Dienstag, 19. Juni 2007

The Hold Steady: Stuck Between Stations

Beliebt sind meine Musikposts, wie ich der Statistik entnehmen kann. Heute für euch daher The Hold Steady mit "Stuck Between Stations" aus ihrem aktuellen Album "Boys And Girls In America", live aus der David Letterman Show. The Hold Steady sind im Sommer auf verschiedenen europäischen Festrivals zu sehen, u.a. auf dem Accelerator nächste Woche in Stockholm, dass ich leider leider leider verpassen werde. Da spielen auch Modest Mouse, die ich unbedingt sehen müsste, wollte....

Mittwoch, 6. Juni 2007

Jimmy Eat World: Pain

Die Band mit dem eigenartigen Namen gibt es schon seit 1993 und sie kommen aus Arizona. Nach recht turbulenten Jahren und einem seitens der Plattenfirma gekündigten Vertrag gelang es der Rockband mit Punkeinflüssen im Jahr 2004 mit dem Album "Futures" sich einen Namen in der amerikanischen Indie-Szene zu machen. Von diesem Album stammt auch die Single "Pain".

Mittwoch, 30. Mai 2007

Modest Mouse: Dashboard

Die Serie mit schwedischen Bands und Künstlern geht bald weiter. Hier aber mal wieder ein Titel aus den USA. Modest Mouse habe ich vor kurzem entdeckt, eine amerikanische Indie-Band, die schon 1993 entstand. Von ihrem aktuellen Album "We Were Dead Before The Ship Even Sank" hier ihre Single "Dashboard":

Mittwoch, 9. Mai 2007

Freitag, 27. April 2007

Architecture In Helsinki: Do The Whirlwind

Erst heute hörte ich von der australischen Band "Architecture in Helsinki". Hier sind sie mit einem Stück von ihrem letzten Album "In Case We Die". Und danke für den Tip, J!

Dienstag, 24. April 2007

Pop/Rock aus Schweden 6: The Concretes

Nachdem hier letzte Woche mit Sahara Hotnights eine Frauenband vorgestellt wurde, deren neues Album "What If Leaving Is A Loving Thing" sehr gute Rezensionen bekommen hat, folgen heute The Concretes, bei denen Frauen auf jeden Fall im Vordergrund stehen.

Das neue Album der Band heisst "Hey Trouble" und ist vor gut drei Wochen in den Läden in die Regale gefüllt worden. Die Scheiben der acht Personen starken Band erscheinen auf einem eigenen Label (Licking Fingers), weshalb man die Musik Indiepop nennen darf.

Gründungsmitglied Victoria Bergman stieg letztes Jahr aus und setzt nun auf eine Solokarriere. Das hatte zur Folge, dass die Concretes eine neue Sängerin brauchten und fanden in Schlagzeugerin Lisa Millberg.

Erste Singelauskopplung ist "Kids", das Album erscheint in Deutschland am 08. Juni. In den USA waren "The Concretes" als Vorgruppe für die Thrills unterwegs, in Grossbritannien spielten sie im Vorprogramm von "The Magic Numbers".

Nicht mein Geschmack, aber ein weiterer Beitrag aus Schweden.

Arcade Fire: No Cars Go (Live)

Die zur Zeit aufregendste Band der Welt - live.

Montag, 23. April 2007

The Fray: How To Save A Life

Wieder einmal ein Song aus der Fernsehserie "Grey's Anatomy", die ich NICHT anschaue. Die Band aus Denver schaffte damit in den USA einen neuen Rekord. Das gleichnamige Album "How To Save A Life" (2005, erscheint jetzt in Europa) ist das erfolgreichste Download-Album in der noch jungen Geschichte dieser Art des Musikbezugs in den USA.

Freitag, 20. April 2007

Dienstag, 17. April 2007

Pop/Rock aus Schweden, Folge 5: Sahara Hotnights

Robertsfors ist eine verdammt kleine Stadt und sie liegt in der Landschaft Västerbotten, irgendwo zwischen Umeå und Skellefteå.

Die Schwestern Jennie und Johanna Asplund, Maria Andersson und Josephine Forsman kommen alle aus dem kleinen Ort und schon mit 10-11 Jahren gründeten sie ihre Band Sahara Hotnights, die ein paar Jahre später den Talentwettbewerb "Norrans popfest" gewann. Dazu gehörte ein Schallplattenvertrag, der Rest ist schon fast Geschichte...

Mit "Jennie Bomb", dem zweiten Album, das 2001 erschien, schaffte es die Frauenrockband sogar über die schwedischen Grenzen hinaus und ging auf eine kleine Welttournee.

Jetzt ist gerade das neue Album erschienen und die Single-Auskopplung "Cheek To Cheek" schaffte es auf Platz 1 der populären Tracks-Listan beim Radiosender P3.
Gefälliger Indie-Mainstreamrock aus der tiefsten schwedischen Provinz.

Am 01.05. spielen Sahara Hotnights im Stockholmer Debaser Medis.

Hier sind sie mit "Cheek To Cheek" live auf der Grammisgalan vor einigen Wochen:

Dienstag, 10. April 2007

Pop/Rock aus Schweden, Folge 4: Salem al Fakir

Nachdem ich gestern hier Laleh kurz vorgestellt habe, las ich einen Artikel im lokalen Anzeigenblatt über einen Mann, der nicht weit entfernt von mir wohnt und der auch ein Shootingstar mi Migrationshintergrund ist: Salem al Fakir.

25 Jahre alt. Salem begann mit vier Jahren, Geige zu spielen und erreichte beachtliche Erfolge, unter anderem spielte er Konzerte in Russland. Mit 15 hatte er dann keine Lust mehr und setzte sich stattdessen ans Klavier. Auf dem Gymnasium Södra Latin (da war ich noch vor ein paar Wochen) besuchte Salem ein spezielles Musikprogramm und beschäftigte sich viel mit Jazz, Fusionjazz.

Salem spielt in der Jazzband Öran Hulthén Trio & Fakir Karlsson, begann aber kürzlich auch solo zu arbeiten, mit atemberaubendem Erfolg. Auf seiner gegenwärtigen Tournee bezaubert er sein Publikum und war, wie auch Laleh, am 30.03. zu Gast auf den Umeå Open.

Im Januar 2007 erschien sein Debutalbum mit dem vielversprechenden Titel: "This Is Who I Am".

Hier ist ein Video aus der Nachrichtensendung "Nyhetsmorgon" (TV 4) mit Salem und seiner Singel "Good Song".

Montag, 9. April 2007

Pop/Rock aus Schweden, Folge 3: Laleh

Als Laleh mit 23 Jahren 2005 ihr erstes Album veröffentlichte, das ihren Namen trägt, da überschlugen sich die Kritiker mit enthusiastischen Rezensionen. Nicht nur, dass sich auf dem Album der Göteborgerin mit persischem Migrationshintergrund Songs in drei Sprachen (Englisch, Schwedisch, Persisch) befanden, nein, es war eine erfrischende, vielseitige Mischung aus Pop und der schwedischen Liedermachertradition, in der vor ihr so musikalische Schwergewichte wie Evert Taube oder Cornelis Vreswijk gestanden haben. Das erinnert zwar ein wenig an Lisa Ekdahl, aber bei genauerem Hinhören wurde klar, dass Laleh Lisa Ekdahls eher belangloses Geplätscher bei weitem in den Schatten stellte.

Mit "Laleh" gewann die Künstlerin gleich die Preise "Künstlerin des Jahres" und "Newcomer des Jahres" im Rahmen der schwedischen ECHO-Entsprechung Grammisgalan.

Bei der alljährlichen Umfrage des wichtigen schwedischen öffentlichen Popradios P3 wurde sie ebenfalls Siegerin in der Kategorie "weibliche Künstlerin des Jahres".

Das zweite Album ist immer das Schwerste. Das wissen alle, die mit ihrem Erstling unerwarteten Erfolg gehabt haben. Aber auch auf der letztjährigen Silberscheibe "Prinsessor" (Prinzessinnen) befinden sich wieder Ohrwürmer der besonderen Art, u.a. die aktuelle Single "Call On Me". Laleh ist derzeit auf Tournee in Schweden und war auch am 30.03. auf den Umeå Open, wo sie mit ihrer Band in einem randvollen Idun vor ca. 1.500 Leuten spielte.

Die Geschichte der 24-Jährigen aus dem eher als sozialen Brennpunkt betrachteten Göteborger Stadtteil Hammarkullen ist ein weiteres kleines Märchen, leider gibt es noch zu wenige. Aber ihr Erfolg, ihre Ausstrahlung und ihre positive Energie dürften besonders vielen Mädchen mit persisch-arabischem Migrationshintergrund in Schweden sehr viel Mut machen.

Und wer sie noch nie gesehen oder gehört hat: Hier ist sie mit einem Livemitschnitt von den Umeå Open mit ihrer aktuellen Single "Call On Me".


Freitag, 23. März 2007

The Band Which Would Save Rock'n*Roll: Arcade Fire in Stockholm


"Erinnert ihr euch daran, was Musik mal in euch ausgelöst hat? Unser neues Album wird euch dieses Gefühl zurückgeben," hat Richard Reed Perry, der Gitarrist von Arcade Fire gesagt.

So beginnt die Kritik in der aktuellen Ausgabe des britischen Musikmagazins Q, die der Scheibe "Neon Bible" mit selten vergebenen 5 Sternen die Höchstwertung "Q Classic" gibt und die Frage aufwirft, ob schon im Februar das Album des Jahres 2007 erschienen ist.

Dagens Nyheters Musikkritikerin Malena Rydell bemühte sich, Neon Bible einzuorden und kam lediglich zu dem Schluss, das dieses Album der Gegensatz zu warmem Pop sei. aber kalt ist das nicht, was aus Montreal kommt und Malena Rydell glaubt, etwas analysieren zu müssen, was der Analyse widersteht. Suizidal nennt sie "Funeral", das erste Album des Septetts, aber mir kommen beim Hören nicht im entferntesten morbide Gedanken.

Stefan Malmqvist, der für Svenska Dagbladet schreibt, ist da wesentlich eindeutiger: "Neon Bible ist ein Album, das anfangs verschlossen wirken kann, aber mit jedem Hören öffnet es sich ein wenig mehr. Es ist Arcade Fires eigenes Gefühl für das vom Schicksal bestimmte, ihr neurotischer Trieb und die, fast aber nicht ganz, süssen Melodien, die das Gebäude zusammenhalten."

Quetzala Blanco gab der Scheibe bei EXPRESSEN vier von fünf möglichen Wespen: "Neon Bible hat vor allem viele starke Melodien und eine unmöglich nicht zu bemerkende Ganzheit, die sich weltgewandt, zwischen David Bowie, Bruce Springsteen und indierockangehauchtem Gospel bewegt."

Als ich vom Konzert der Kanadier im ehrwürdigen Stockholmer Circus auf der Insel Djurgården Wind bekam, war es schon zu spät: "För närvarande helt uppbokat" hiess es lakonisch auf der Webseite des Ticketverkäufers Ticnet.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als statt der ausgeschriebenen 310 Kronen einem sympathischen Schwarzmarkthändler, der 700 haben wollte, 650 Kronen in den Rachen zu werfen.

16. Reihe ganz oben ganz hinten im Konzertsaal mit einem trotz der relativ geringen Grösse des Saals maximalen Abstand zur Bühne. Nach dem Abgang der Vorgruppe Pause und ich geselle mich zu den Fans unmittelbar vor der Bühne, was dazu führt, dass meine Ohren 12 Stunden Erholung brauchen. Und natürlich denkt man darüber nach, dass man 650 Kronen ausgegeben hat, so viel kostete mich zuletzt Bruce Springsteen mit seiner Seeger Sessions Band im vergangenen Mai. Lohnt sich das? War das nicht zu viel?

Schnelles Fazit: Jede Krone hat sich gelohnt, dieses Konzert dieser grandiosen Band mitzuerleben. Einziger Wermutstropfen. Nach einer Stunde treten die zehn Musiker ab, kommen noch für zwei Zugaben zurück und verabschieden sich dann vom Stockholmer Publikum.

Was manche aber in zwei Stunden nicht zu leisten vermögen, das gelingt Arcade Fire in der relativ kurzen Spielzeit: Ein einzigartiges Konzert mit einer grandiosen Intensität hinzulegen, das keine Fragen mehr offen lässt, warum einer der grossen Fans der Formation Mr. David Bowie ist.

In atemberaubender Folge wechseln die sieben Kernmitglieder der Band die Positionen auf der Bühne. Frontmann Win Butler räumt die zentrale Position in der Mitte, legt den Bass an die Seite und widmet sich den Keyboards und seine Frau Régine Chassagne singt zwei Stücke, bevor sie Jeremy Gara immer wieder am Schlagzeug ablöst. Zum Einsatz kommen Megaphone, Akkordeon (Régine), Motorradhelme, zusätzliche Trommeln, halbakustische Slidegitarren und mehr. Und das ist keine Effekthascherei, sondern kennzeichnet eine Spielfreude, die ich seit langer, langer Zeit bei keiner Band mehr auf der Bühne erlebt habe.

Opener ist "Keep The Car Running" vom neuen Album und mit diesem Stück haben die Nordamerikaner das schwedische Publikum sofort im Griff. Régine Chassagne bezaubert mit ihrem Charme und ihrem grossen Vergnügen an der Arbeit, während ihr charismatischer Gatte Win Butler beklagt, dass er aufgrund einer Infektion Probleme hat, zu singen, aber er bringt die knapp 75 Minuten souverän hinter sich.

Es gibt eine Reihe von Schweden, die 1975 dabei waren, als Bruce Springsteen ein legendäres Konzert im Konserthuset am Hötorget gespielt hat. Die knapp 2.000, die heute Abend Arcade Fire erleben durften, haben eine Band gesehen und gehört, die noch viel von sich reden machen wird. Der Rolling Stone nannte den Boss aus New Jersey dereinst "The Man Who Would Save Rock'n'Roll". Arcade Fire beweisen 2007, dass Neil Young Recht hatte mit seiner Liedzeile "Hey, hey, my, my, Rock'n'Roll Will Never Die". Sie machen nichts ganz Neues, sondern stehen in einer grossen Tradition, aber dennoch klingen sie so ganz anders als viele der durchaus guten Bands dieses Jahrzehnts, eben so wie derzeit nur Arcade Fire klingt.

Noch enthusiastischer als der Mann an dieser Blogtastatur ist der Kollege vom schwedischsprachigen Kulturbloggen, der meint: "Gestern Abend spielten Arcade Fire im Circus in Stockholm und das war eines der besten Konzerte, auf denen ich je gewesen bin."

Traurige Nachricht zum Schluss: Win Butler sagte gestern schon, dass seine Stimme an einer Infektion leider und er sich alle Mühe gibt. Heute sagte die Band die folgenden neun Konzerte ab. Oslo (heute), Berlin, München und sechs weitere Orte sind gecancelled.

Mittwoch, 7. März 2007

Poprock aus Schweden 2: The Ark

Beim diesjährigen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (der am Samstag mit dem großen Finale im Stockholmer Globen endet) sind sie die klaren Favoriten auf den Sieg mit ihrem Song "The Worrying Kind".

Die Band aus Växjö um den singenden Pfarrerssohn Ola Salo.

Den Namen gab Ola seiner Truppe weil er davon überzeugt war, dass die Welt sich dem unvermeidlichen Untergang nähern würde, vielleicht hat er ja sogar Recht, wenn man sich den aktuellen Zustand unseres Klimas anschaut... Retten kann man sich dann nur mit einer Arche wie der gute alte Noah.

The Ark.

Gemeinsam Musik machen die sechs Herren aus Småland seit Anfang der 90er Jahre. Kritiker sind immer schnell bei der Vergabe von Etiketten und eine Mehrheit von ihnen scheint sich auf die Schublade Glamour-Rock geeinigt zu haben. Der offen bisexuelle Ola Salo ist Ausdruck des Glamours, stark geschminkt, oft mit nacktem Oberkörper mit einer Federboa geschmückt, legt der bald 30-Jährige auf der Bühne ein beachtliches Laufpensum hin. Aber auch die Bühnenkostüme der anderen lassen an Kreativität und Exzentrik in der Regel nichts zu wünschen übrig. Wer jetzt immer noch nicht weiß, was Glamrock sein soll, dem seien Namen wie The Slade (70er), David Bowie (60er bis heute), Gary Glitter (70er) entgegengerufen. Auch Queen zählt gemeinhin zu den Glamrockern.

Die Teilnahme am Eurovision Song Contest ist natürlich unter den Fans der Band nicht unkontroversiell. Aber Ola Salo hat damit keine Probleme. "Falls wir letzter werden sollten, könnten wir auf unsere nächste CD ein Etikett mit der Aufschrift 'In der ersten Runde des ESC ausgeschieden' kleben, so wie das Magnus Uggla schon einmal gemacht hat."

Befragt nach seinen Lieblingssongs aus diesem Kontext kommt die teils überraschende Auskunft:

"Ein bisschen Frieden" von Nicole, A-Ba-Ni-Bi und Hallelujah aus Israel und Ding-A-Dong aus Holland. Ich mag Schlager und insgesamt gibt es eine Menge toller Stücke."

Über die Grenzen von Schweden hinaus hat die Band Fans in Europa, Asien und Amerika, allerdings eher in relativ bescheidenem Umfang. Der deutsche Markt ist wichtig wie für alle europäischen Künstler und in Deutschland haben The Ark immer wieder ihre Zelte aufgeschlagen.

Ein interessantes Interview auf Deutsch gibt es bei Soundmag.

Und hier das Video zur Band, um auch einen optischen und akustischen Eindruck zu bekommen, falls ihr die Archenbewohner noch gar nicht kennen solltet. Ein Ohrwurm von ihrem ersten Album "We Are The Ark" (2000):

It Takes A Fool To Remain Sane

Donnerstag, 1. März 2007

Snow Patrol: Chasing Cars

Wenn ich unterwegs bin, höre ich Musik auf meinem schwedisch-japanischen Mobiltelefon, das vermutlich in China hergestellt wurde.

Klarer Favorit unter all dem Gigabyte-Musikmaterial ist zur Zeit:

Snow Patrol mit dem Song "Chasing Cars" von ihrem Album "Eyes Open" (2006). Das Lied kommt auch im Soundtrack der amerikanischen TV-Serie "Grey's Anatomy" vor.

Sänger und Songwriter Gary Lightbody stammt aus Belfast.

Montag, 26. Februar 2007

Poprock aus Schweden 1: The Sounds

Am 30. März 2007 spielen „The Sounds“ auf Regeringsgatan in Stockholm im Nalen (Tickets). Und ich kann leider nicht dabei sein, weil ich am gleichen Abend auch Musik höre, allerdings in Umeå bei den Umeå Open.

Die fünfköpfige Band stammt aus Helsingborg in Südschweden und orientiert sich ein wenig am flotten Punk der 80er Jahre. Blondie ist vielen noch in Erinnerung mit ihrem Hit „Denis“.

Sounds-Sängerin Maja Ivarsson (27) ist auch blond und das ist nicht die einzige Parallele. Das zweite Album der Südschweden „Dying To Say This To You“ erschien im Juni 2006 und ich wurde zum ersten Mal bei MTV darauf aufmerksam, als die Singelauskopplung „Painted By Numbers“ vorgestellt wurde, die ihr sehen könnt, wenn ihr den Youtube-Link ganz unten anklickt.

Maja stieß erst spät zu den vier Männern Felix Rodriguez (Gitarre), Johan Bengtsson (Bass), Fredrik Nilsson (Schlagzeug) und Jesper Anderberg (Keyboards) hinzu, aber mittlerweile ist sie der unumstrittene Star der Band.

Eine ausgedehnte Tournee über achtzehn Monate (!) mit dem zweiten Album führte die Sounds nach Skandinavien und dann in die USA und Kanada. Zur Zeit sind sie in Großbritannien, kommen aber am 05.03. nach Hamburg (Logo) , 06.03. nach Berlin (Fritzclub im Postbahnhof), am 07.03. nach Köln (Prime Club) und am 08.03. nach München (Backstage).

Es gibt eine Reihe von Vorurteilen und Klischees gegenüber den Sounds. Sie spielen zu viele Konzerte. Maja Ivarssons Stimme geht langsam kaputt. Und sie saufen sich von Ort zu Ort.

Maja: „So war es vielleicht mal am Anfang. Aber es ist nicht mehr so lustig, total besoffen zu sein und auf der Bühne zu stehen. Wir können das jetzt. Und ich brauch nicht mehr betrunken zu sein, um das zu schaffen.“

In der Tat würde man ein solches Pensum kaum durchhalten, wenn man sich ständig betrinken würde.

Und jetzt das Video vom aktuellen Album: The Sounds mit „Painted By Numbers“:

Montag, 8. Januar 2007

Pop/Rock aus Schweden 1: Ulf Lundell

Dass Schweden weltweit das dritterfolgreichste musikexportierende Land ist, wissen viele. Es begann wahrscheinlich damals in Brighton, als ABBA mit "Waterloo" den Grand Prix Eurovision de la Chanson aufmischten. Dass muss in dem damals (und heute) weitgehend schlagerseichten Wettbewerb so aufregend und provozierend gewesen sein wie der triumphale Sieg der finnischen Monster Lordi mit "Hard Rock Hallelujah" in Athen 2006.

Nach ABBA folgten Bands und Künstler wie Ace of Base, Europe, Dr. Alban (den man oft bei Spaziergängen auf Östermalm sieht), Roxette (mit Schwedens Dieter Bohlen Per Gessle), A-Teens und inzwischen erfreulicherweise auch eine ganze Reihe von nicht so geschliffenen Mainstream-Formationen wie die zuerst genannten: The Cardigans, The Hives, The Sounds, The Soundtrack Of Our Lives, Mando Diao und so weiter.

Diese Künstler sind in Deutschland hinreichend bekannt und brauchen kaum weiter erwähnt zu werden.

Weniger bekannt sind natürlich Künstler und Bands, die in der Landessprache, also på svenska, singen und veröffentlichen.

Deshalb ab heute und jetzt und hier eine kleine Serie, in der einige vorgestellt werden, die auf Schwedisch arbeiten. Und vielleicht mal für den einen oder anderen Blogleser beim nächsten Schweden-Besuch ein Tipp zum Einkaufen, nachdem wir ja alle aufgehört haben, bei Limewire und ähnlichen P2P-Börsen Sachen illegalerweise herunterzuladen, gell?

Den Anfang möchte ich mit Ulf Lundell machen.

Das hat auch persönliche Gründe. Als ich 1986 in der Göteborger Jugendherberge Ostkupan wohnte, kaufte ich mir in einem naheliegenden Plattenladen das Doppelalbum "Den vassa eggen" (Wortwörtlich "Die scharfe Klinge"), damals noch in der Vinylversion. CD-Player gab es schon, liebe junge Generation, aber ich hatte noch keinen, dafür aber ein paar hundert LPs und dazu kam nun meine erste schwedischsprachige. Wusste nichts über den Künstler. Das hat sich geändert.

Also: Ulf Lundell wurde 1949 am 20. November in Stockholm geboren und obwohl er die Stadt immer wieder mal verlassen hat, auch öffentlich bekundete, dass er es hier nicht mehr aushält, ist er doch letzten Endes immer wieder zurückgekehrt. Lundell ist nicht nur ein Rockmusiker, sondern auch Schriftsteller und Maler.

1949 ist das Jahr in dem auch Bruce Springsteen geboren wurde und obschon gleich alt und ungefähr auch gleichzeitig debütierend wie sein amerikanischer Kollege, hat Lundell Springsteen immer etwas nachgeeifert. Möglicherweise haben beide als Altersgenossen auch sehr viele gemeinsame Einflüsse gehabt.

1975 erscheint das Debütalbum "Vargmåne" (Wolfsmond) und für Lundell war es von Anfang an klar, dass er nur in seiner Muttersprache arbeiten würde. Ein Jahr später legte er seinen ersten Roman "Jack" vor. Ein Generationsroman darüber im Stockholm der 70er Jahre jung zu sein. Geschrieben in langen, verschachtelten Sätzen, voll Stockholmer Slang, bis heute nicht ins Deutsche übersetzt. In der ehemaligen DDR gab man 1980 ein literarisches Lesebuch mit dem Titel "Schweden heute" (Volk & Welt, Berlin) heraus, in dem jemand ein Kapitel des Romans übersetzt hat.

"Jack" traf den Nerv der jungen Generation und das Buch wurde zum damaligen Zeitpunkt der kommerziell größte Erfolg schwedischsprachiger Literatur im eigenen Land seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Aber hier geht es um Musik...

Lundell hat bis heute 36 Alben (!) veröffentlicht, darunter allerdings auch eine Reihe von Sammelalbum und eine 3er-Live-CD mit dem Titel "Maria, kom tillbaka" (Maria, komm zurück).

Kaum jemand hat über einen so langen Zeitraum einen so kontinuierlichen Erfolg. Musikalisch ist Bob Dylan ähnlich wie bei Springsteen einer der größten Einflüsse. Lundell rockt mit einer heiseren, kratzigen Stimme und er hat inzwischen einen ganzen Kanon von Klassikern geschrieben, der von seinem Publikum, das mehrere Generationen überspannt, geliebt wird. Seine Stärke und da liegt die große Gemeinsamkeit zu seinem amerikanischen Altersgenossen, ist es, in einfachen, aber treffenden und poetischen Worten Gefühle zu beschreiben und Geschichten zu erzählen. In dem einen oder anderen Text lernt man so Schweden auf eine andere Weise kennen.

1982, Lundell war längst ein Star, veröffentliche er das Album "Kär och galen" (Verliebt und ausgeflippt), mit dem er endgültig Kultstatus erreichte. Auf dieser Platte (CD) ist der Song "Öppna landskap" (Offene Landschaften) enthalten, der seitdem so etwas wie eine zweite inoffizielle Nationalhymne Schwedens wurde und bis heute auch in vielen Schulklassen gesungen wird. "Öppna landskap" ist eine Liebeserklärung an Schweden, seine Landschaft, die Freiheit und das Meer.

Mitte der 80er Jahre dann die große Krise, in der das Album "Den vassa eggen" entstand. Der Erfolg stresst den Künstler, er wird nicht damit fertig, seine Ehe scheitert, Ehekrise, die Situation der Kinder und sein Alkoholismus (im Roman "Tårpilen" [Trauerweide] schrieb er später: "Das war die Zeit in der ich eine Flasche Absolut pro Tag trank.") werden öffentlich ausgetragen, sind ständig in den Schlagzeilen der Boulevardblätter und Wochenmagazine. Durch die Hilfe der Anonymen Alkoholiker wird Lundell trocken und ist Ende der 80er Jahre wieder da. Ungebrochen kreativ macht er gleich zwei Doppelalben hintereinander "Evangeline" und "Utanför murarna" (Außerhalb der Mauern).

Mittlerweile vergeht kein Jahr, in dem Lundell nicht angkündigt, sich von den Bühnen als Rockmusiker zumindest eine Pause zu gönnen. Aber beinahe klassisch ist der Satz: "Nach dieser Sommertournee ist erst mal Schluss." Ich vermute, dass auch 2007 wieder eine Tournee angekündigt wird. Die Konzerte des Singer-Songwriters dauern ähnlich wie die des großen Amerikaners ca. drei Stunden, beide können auch in einem großen Fundus nach Stücken suchen.

Und ein Konzert von Lundell auf der Stockholmer Freilichtbühne Skansen im Sommer bei gutem Wetter lockt immer wieder 10.000 Zuschauer an. Mehr werden auch nicht reingelassen. Falls mal ein Schwedentourist im Juli oder August Plakate sieht, kauft euch ein Ticket.

Empfehlenswerte Alben:

Kär och galen (1982), Den vassa eggen (1985), Lundell live, Maria kom tillbaka (1993, 3 CD)), Club Zebra (2002), När jag kysser havet (Det bästa 1975-1984, 2 CD)Danielas hus (Det bästa 1985-1994, 2 CD), Venus & Jupiter (Det bästa 1995-2005, 2 CD)

Songs zum Downloaden:

Sextisju, sextisju, Snön faller och vi med den, (Oh la la) Jag vill ha dej, Rom i regnet, Kär och galen, Öppna landskap, Lycklig lycklig, När jag kysser havet, Chans, Den vassa eggen, Danielas hus, Evangeline, Hon gör mig galen, Isabella, Folket bygger landet, Gott att leva.

NACHTRAG: Da zu den anderen Folgen auch Musik zu hören (und sehen) ist auch etwas von Ulf Lundell, live aus dem Tyrol in Stockholm: Folket bygger landet (2005)