Sonntag, 15. März 2009

Bruce Springsteen: Working On A Dream (2009)


Ich habe lange gewartet, das neue Album von Bruce Springsteen zu besprechen. Was wohl daran liegt, dass ich beim ersten, zweiten und dritten Hören etwas enttäuscht war und den Vorgänger "Magic" wesentlich besser fand.

Und was sicher daran liegt, dass der Respekt vor diesem vielleicht grössten Live-Künstler der letzten 35 Jahre einfach sehr gross ist. Alben wie "Born To Run", "Darkness On The Edge Of Town", "The River", "Nebraska" und so weiter gehören dazu mit ihrem Songmaterial in eine eigene Kategorie, sind Vorbild für so viele Bands in so vielen Jahren geworden.

Als Arcade Fires Sänger und Songwriter Win Butler in einem Interview zu den ersten beiden Alben der wohl besten jüngeren Band der Welt gratuliert wurde, antwortete er bescheiden, der Journalist möge sich doch mal bitte schön die Songs von "Born To Run" anhören, davon seien Arcade Fire noch so meilenweit entfernt.

Es ist kein meisterliches Album von Springsteen, auch nicht nach dem vierten Hören. Aber die Songs werden besser und besser und wer den Boss, wie ihn die Fans nennen, schon ein oder mehrfach live gesehen hat, weiss, dass es bei der anstehenden Tournee im Sommer auch bei "Lucky Day" ordentlich abgehen wird.

60 Jahre alt wird der Rocker aus New Jersey im September und vielleicht ist "Working On A Dream" so etwas wie ein Zwischenalbum. Die Bandmitglieder der E-Street-Band haben oft Springsteens geradezu beängstigende Fähigkeit beschrieben, so schnell neue und eingängige Songs zu schreiben. Bilang ist Springsteen immer so verfahren, dass er sehr viel Material aussortiert hat. Zeugnis davon war unter anderem die Sammlung "Tracks" mit vier CDs voller Ausschussmaterial, das vielen anderen Künstlern eine hervorragende Karriere gesichert hätte.

Nun, älter werdend, ist es vielleicht so, dass Springsteen einfach mal so ein Album wie "Working On A Dream" herausgibt mit einigen Songs, die früher nicht "released" worden wären. Aber dennoch, für das Gros der Bands und Künstler wäre "Working On A Dream" dennoch ein tolles Album.

Es ist auch ein Album in der Ära Obama. "Magic" trug noch in fast allen Songs den Zorn und die Verzweiflung über die Bush-Ära. So hiess es etwa in "Long Walk Home":

That flag flyin' over the courthouse
Means certain things are set in stone.
Who we are, what we'll do and what we won't

und die Beziehung zu den Greueltaten amerikanischer Soldaten in Abu Ghraib war ganz offenkundig. Im Namen der amerikanischen Flagge machte man so etwas nicht.

Jetzt gibt es stattdessen Entspannung und die schöne Ballade von der schönen Frau im Supermarkt "Queen Of The Supermarket", ein einfaches, aber sehr nahe gehendes Stück von einem Kunden, der heimlich in eine Supermarkt-Angestellte verliebt ist. Eine von vielen unerfüllten Träumen im Leben vieler. Der Mann in der U-Bahn, die Frau in der Apotheke, die wir täglich sehen, aber nie anzusprechen wagen. Yes, we can.

Und mit dem neuen Präsidenten können wir zunächst wieder am Traum, am amerikanischen Traum arbeiten, Die Welt ist einigermassen in Ordnung, trotz Finanzkrise.

Dienstag, 3. März 2009

U 2: No Line On The Horizon


Wir haben nicht ganz so lange warten müssen wie auf "Chinese Democracy". Aber seit "How To Dismantle An Atomic Bomb" sind doch mehr als vier Jahre vergangen. Die Vier aus Dublin haben nun gestern europaweit ihr neues Werk vorgelegt. Bleibt alles anders.

Die vorab releaste Single "Get On Your Boots" wirkte irgendwie verstörend skurril, man ahnte Schlimmes aus Dublin von der Band, die mit "The Joshua Tree" eines der besten Rockalben der Musikgeschichte in die Welt geschleudert hatte.

Aber die ersten beiden Nummern "No Line On The Horizon" und "Magnificent" versöhnen und beruhigen zugleich. U2 is back. Coldplay kann sich wieder in kleinere Hallen verziehen, die Stadien gehören fortan wieder Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen jr.

Den Begriff "arenarock" hat man wahrscheinlich im Zusammenhang mit U2 erfunden. Bei "Magnificent" sieht man Bono schon im Geiste mit gewohnt dunkler Sonnenbrille über lange Laufstege hetzen, irgendwo in Los Angeles, Gelsenkirchen oder (hoffentlich) Stockholm.

Lange hiess es, dass Rick Rubin die neue Silberscheibe produzieren sollte, 2006 wurden die ersten Songs eingespielt, aber dann kehrte die Band doch vergangenes Jahr zu den Vertrauten zurück. Brian Eno und Daniel Lanois.

Der politische Touch und programmatische Titel ist weg, am nächsten kommen die Dubliners ihrem gesellschaftlichen Anspruch mit "Stand Up Comedy", auf dem The Edge mal wieder so richtig lostoben darf.

Von einer Band, die zu Recht seit mehr als zwei, ja fast drei Jahrzehnten zu den internationalen Top Acts gehört, erwartet man bei einem neuen Wurf nach längerem Schweigen gleich wieder ein epochales Album. Dass das und wie das in die Hose gehen kann, zeigten die Gallagher-Brüder unlängst mit der neuen Scheibe der überschätztesten Band der Welt - Oasis.

Aber U 2 ist ein anderes Kaliber. Die Band ging nach Marokko (!) und nahm dort einen Teil des neuen Albums auf, zwei Songs ("FEZ - Being Born" und "Cedars Of Lebanon" [klassenummer]) zeugen von dieser levantinischen Beziehung.

Fast zum Schluss trommelt uns Larry Mullen noch mal in Stimmung. "Breathe" gibt uns abermals das, was wir schon kennen und hören wollen. Nicht viel Neues und Unerwartetes, aber auch nichts weniger als eine aussergewöhnliche Band präsentiert sich hier auf ihrem 12. Studioalbum. Ich kann mir kaum vorstellen, dass am Ende des Jahres nicht "No Line On The Horizon" in den meisten Bestenlisten des Jahres auftauchen wird.

Montag, 2. März 2009

Lily Allen: It's Not Me, It's You (2009)


Keine Frage, die bald 24-Jährige Lily Allen ist ein Popstar. Schon mit ihrer Debütsingle "Smile" schaffte sie es mit einer bewundernswerten Leichtigkeit, der Welt einen Ohrwurm zu bescheren. Die Tochter des Comedy-Stars Keith Allen bewies aber mit dem Debütalbum "Alright, Still", dass "Smile" keineswegs die Veröffentlichung eines One-Hit-Wonders war.


Bei den ruhmreichen Brit-Awards war Allen 2007 gleich viermal nominiert, ohne allerdings auch nur eine einzige Statue auf ihren Fernseher stellen zu können und da sie auch noch unverschämt gut ausschaut, nominierte sie der New Musical Express auch noch in der Kategorie "Sexiest Woman" - zur Ehrenrettung der Gleichberechtigung darf gesagt werden, dass NME auch Männer derart sexistisch betrachtet. Den einzigen Preis (?) holte sich Lily als schlechtangezogenste Frau des Jahres.


Nun kommt das zweite Album der Londonerin und nach wie vor ist sie auf dem schon mit dem Erstling eingeschlagenen Weg - locker, leichten, angenehmen Pop zu machen, den man hören kann, ohne sich schämen zu müssen.


Bislang eines der besten Alben des neuen Jahres.

Sahara Hotnights: Sparks (2009)


Die vier Damen aus Robertsfors legen zwei Jahre nach dem von vielen als "Comeback"-Album betitelten "What Leaving Is A Loving Thing" ein neues Album vor, auf dem ausschließlich Coverversionen zu finden sind. Zehn Songs, die immerhin den meisten Zuhörern eher weniger geläufig sein dürften.


Um es klar zu sagen. Schwedens beste Frauenrockband rockt und popt weiter. Zumindest hierzulande sind die Gigs von Frontfrau Marie Andersson, Johanna & Jennie Asplund sowie Drummerin Josephine Forsman weiterhin ausverkauft und ich erwäge stark, mir ein Ticket für den nächsten Stockholmer Auftritt der Band im April zu sichern.


Anfangs war ich den zehn Stücken gegenüber sehr skeptisch. Aber das Zuhören macht richtig Spaß und das Album geht ab, also warum nicht? Dusty Springfields "In Private" ist sicher das bekannteste Stück, aber Spaß machen vor allem Nummern wie "Japanese Boy" (Aneka), auf denen die Nordschwedinnen unwiderstehlich poppig und 80er klingen. Rockig und punkig wird es, wenn die Vier sich etwa "Calm Down" annehmen, eines Songs der neuseeländischen Formation Birdy, von dem ich noch nie gehört habe. Mit "Mess Around" von Redd Kross liefern Marie, Jennie, Johanna und Josephine eine wunderschöne Ballade ab.


Von Bands wie Sahara Hotnights erwartet man eigenes Material, aber dieses Album hat der Band Spaß gemacht, das merkt man, das überträgt sich auf den Zuhörer.